18 Personen mit Moderationserfahrung an der Universität Stuttgart gemeinsam in einem Workshop: Beim Experimentierlabor zum Thema „Planungstreffen Moderationsnetzwerk“ bot sich diese seltene Gelegenheit. Das Agility Lab will kompetente Personen an der Universität Stuttgart zusammenführen, die ihre Moderationsfähigkeiten für Team-Veranstaltungen wie z. B. Retrospektiven oder Planungsworkshops einbringen. „Du moderierst bei uns, ich moderiere bei euch“ – für bestimmte Veranstaltung könnte das künftig Realität sein.
Rollenkonflikt Moderation
Die Moderationsrolle trägt maßgeblich dazu bei, dass Veranstaltungen gelingen. Sie führt nicht nur das Gespräch. Das Wort „moderieren“ bedeutet ursprünglich „sich in Grenzen halten, mäßigen, zurückhalten“ – das sind wichtige Voraussetzungen, um eine Diskussion zu lenken. Wer moderiert, bringt sich selbst weniger ein und lässt die anderen zu Wort kommen. Fürs Lenken durch die Tagesordnung des Weeklys mag das unproblematisch sein, wenn ein Teammitglied zugleich auch moderiert, sofern es keine Monologe führt.
Doppelrollen werden schwieriger, wenn es in einer Veranstaltung um die Zusammenarbeit eines Teams geht. Sofern sich alle Teammitglieder über ihre Vorstellungen und Erwartungen äußern sollen, sollte keiner aus dem Team die Moderationsrolle innehaben. Entweder leidet die Position des Teammitglieds, wenn sie oder er sich zurückhält, oder es leiden die anderen, weil die Gesprächsführung zu sehr von den persönlichen Vorstellungen geprägt wird.
Moderation mit Qualität
Moderation erfordert bestimmte Kompetenzen für eine gute Qualität. Diesen Wissensschatz brachten die Teilnehmenden des Experimentierlabors von vornherein mit. Manche der Anwesenden aus Instituten, Stabsstellen, zentralen Einrichtungen und Verwaltung haben eine Ausbildung in Systemischer Beratung, manche sind in der Mediation tätig, andere unterrichten seit vielen Jahren oder haben jüngst Erfahrungen im Agile-Day-Programm gesammelt. Manche moderieren auch im Uni-Alltag und haben wie die vier Kolleginnen aus der Personal- und Organisationsentwicklung Moderation von Veranstaltungen in ihrer Tätigkeitsbeschreibung stehen. Sie alle kamen zusammen, weil sie Lust auf gute Moderation haben und sich auch gerne über Grenzen der eigenen Abteilung hinaus einsetzen.
Mit den Vorkenntnissen fiel es verhältnismäßig leicht, die Voraussetzungen für ein gutes Moderationsnetzwerk an der Universität Stuttgart zu bestimmen. Es gibt bei uns unterschiedliche Stufen der Moderation – grob gesagt sind dies:
- Führung durch Tagesordnungen bei Arbeitssitzungen,
- Gesprächsführung bei relativ häufigen Veranstaltungen mit Rollenkonflikten, z. B. Team-Planungstreffen und -Retrospektiven,
- heikle Termine wie Strategieworkshops auf Leitungsebene oder Konfliktgespräche.
Bei Tagesordnungen von Arbeitssitzungen braucht es keine externe Unterstützung, denn es sollte überwiegend um die Sachebene gehen. Bei Stufe 3 mit den heiklen Themen ist die Bedeutung für die gesamte Universität so groß, dass sich diese Herausforderungen nicht „nebenher“ beantworten lassen. Für das Moderationsnetzwerk stehen darum die Team-Planungstreffen und Team-Retrospektiven im Fokus.
Unter der Fragestellung „Welche Regeln braucht es, um ein Moderationsnetzwerk mit hoher Qualität zu etablieren?“, fanden sie in drei Gruppen ähnliche „Min Specs“. Bei „Min Specs“, einer Methode aus den Liberating Structures, geht es darum, gemeinsam die Grundsätze zu erkennen, die es fürs Gelingen braucht. Neben ein paar absoluten Basis-Regeln entstanden auch schon Ideen zur konkreten Ausgestaltung. Zusammengefasst sind dies die groben Anforderungen
Gestaltungs-Anforderungen
- Rahmenbedingungen
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- Auftrag durch Uni-Leitung und entsprechende zeitliche Freistellung bzw. organisatorische Lösung für Moderationen in anderen Teams (kein Ehrenamt); wie dürfen Personen aus Drittmittelprojekten aktiv werden?
- Klar umgrenzte Aufträge (Themen, Zieldefinition)
- Neutralität, Vertraulichkeit und Allparteilichkeit im Sinne einer professionellen Moderation
- Struktur & Koordination
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- Zentrale Ansprechstelle/Koordination fürs Netzwerk
- Transparente Regeln zur Auftragsvergabe (inkl. Stellvertretung) und Terminkoordination
- Qualifikation & Diversität
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- Sichtbare Kompetenzprofile (Methodenkoffer, Spezialisierung)
- Divers zusammengesetzter Moderations-Pool
- Verbindliche Mindeststandards (interkulturelle Kompetenz, Verständnis für verschiedene Arbeitskulturen)
- Qualitätssicherung
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- Onboarding ins Netzwerk
- Regelmäßige Fortbildungen
- Supervision und Feedbackprozesse
- Austausch mit externen Netzwerken (Best Practices)
- Verbindlichkeit
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- Schriftliche Vereinbarungen bei Aufträgen
- Commitment der Mitglieder
- Verhaltensregeln mit Werten wie Vertrauen und Offenheit
Nächste Schritte
Die Gruppe der Teilnehmenden einigte sich darauf, dass das Agility Lab in Abstimmung mit D71 (Organisations- und Personalentwicklung) einen Entwurf verfasst, mit dem das Netzwerk ins Leben gerufen wird. Das entstehende Papier kann dann nochmal eine Rückbindung in den Kreis der Interessierten erfahren.
Wer ebenfalls über Moderationserfahrung verfügt und Lust hat, sich an einem entstehenden Netzwerk zu beteiligen, kann sich bei Uli Fries bzw. dem Agility Lab melden.
Aktualisierung: Am 17. Juni stellte Uli den Zwischenstand des Konzepts bei einem Lunch & Learn vor. Nachbericht, Präsentation und Aufzeichnung sind auf der Agility-Lab-Website aufrufbar.
Text: Ulrich Fries