Lab-Häppchen: Virtuell wirksam arbeiten

27. November 2025 /

Am 20. November 2025 fand ein weiterer Impuls unserer Reihe Lunch & Learn statt. Svenja zeigte in ihrem Beitrag, welche Herausforderungen und Bedingungen digitale Zusammenarbeit prägen und wie Teams diese so gestalten, dass sie langfristig wirksam bleibt und nicht in die bekannte „Zoom-Fatigue“ führt.
[Bild: Agility Lab]

Der gesamte Vortrag als Aufzeichnung sowie die Unterlagen der Präsentation stehen am Ende dieser Seite für uni-interne Personen zur Verfügung.

 

Kommunikation im digitalen Raum verstehen

Virtuelle Zusammenarbeit prägt unseren Arbeitsalltag spätestens seit der Corona-Pandemie. Dennoch reflektieren wir selten bewusst, wie wir digital kommunizieren und welche Qualität unsere Interaktionen besitzen. Ein fundiertes Verständnis zentraler Kommunikationsmodelle bildet hier eine wichtige Grundlage: Das Johari-Fenster, das Vier-Ohren-Modell und die Media-Richness-Theory verdeutlichen, dass in virtuellen Settings nonverbale Signale reduziert sind und dadurch Interpretationsspielräume wachsen. Diese Rahmenbedingungen erhöhen das Risiko für Missverständnisse und steigern die kognitive Belastung. Gründe genug, um einmal genauer auf die virtuelle Zusammenarbeit zu schauen und sie bewusst in unseren eigenen Teams weiterzuentwickeln.

Zoom-Fatigue: Ursachen und wissenschaftliche Einordnung

Diese kommunikativen Hintergründe rahmen das Phänomen der „Zoom-Fatigue“, das insbesondere während der Corona-Pandemie sichtbar wurde. Der Begriff beschreibt die mentale Ermüdung, die durch virtuelle Meetings und digitale Zusammenarbeit entsteht. Bereits Anfang 2021 veröffentlichte der Stanford-Professor Jeremy Bailenson erste grundlegende Studien dazu. Die Befunde zeigen: Videokonferenzen wirken nicht nur subjektiv belastend, sondern beeinflussen nachweislich kognitive Prozesse und physiologische Reaktionen.

Die Aspekte wirken auf mentaler, sozialer und organisationaler Ebene und führen zu messbarer Erschöpfung in digitalen Arbeitsumgebungen durch:

  • Meeting-Overload
  • Multitasking 
  • „Private Nähe“ im beruflichen Kontext
  • Geringere soziale Interaktion
  • Dauerhafte Selbstbeobachtung
  • Reduzierte nonverbale Rückmeldungen

Konkrete Strategien für die Praxis: Wie begegnen wir der Erschöpfung in der digitalen Arbeitsumgebung?

Nachhaltige virtuelle Zusammenarbeit entsteht durch eine bewusste Gestaltung digitaler Interaktionen. Auf Basis der Media-Richness-Theory lohnt es sich, die Kommunikationsform passend zum Inhalt zu wählen und Meetings nur dann anzusetzen, wenn deren Mehrwert klar ist. Eine professionelle Moderationshygiene, die durch durch digitale Tools wie Handheben-Funktionen, Emojis oder klare Mikrofonregeln unterstützt wird, schafft Orientierung und Struktur. Methodenwechsel über Umfragen, Chatfragen oder Breakout-Räume steigern die Aktivierung und reduzieren monotone Abläufe. Gleichzeitig unterstützt die Förderung von Monotasking die Konzentration und entlastet das kognitive System. Ergänzend wirken digitale Detox-Routinen, klare Pausen sowie eine bewusste Meeting-Taktung. Für eine stabile Teamkultur trotz Distanz sind Teamtage in Präsenz, geteilte Kalender und gemeinsame Strukturen hilfreich. Sie stärken Beziehungen, fördern Vertrauen und erleichtern eine klare Trennung zwischen beruflicher Tätigkeit und privatem Raum.

Take-Home-Message

Virtuelle Zusammenarbeit erfordert eine Eigenlogik und kann nicht mit der Zusammenarbeit in Präsenz gleichgesetzt werden. Wer diese Eigenlogik versteht und Kommunikationsmodelle bewusst nutzt, gestaltet die Zusammenarbeit auch über Distanz nachhaltiger und wirksamer. Teams profitieren, wenn Moderation Orientierung gibt, zugleich aber Vertrauen und Freiräume bestehen. Dadurch entsteht ein Arbeitsumfeld, das Zoom-Fatigue vorbeugt und langfristig leistungsfähig bleibt.

Tipp

In unserem Glossar finden Interessierte ausführliche Einträge zu zentralen Methoden der Moderationshygiene, darunter Check-in und Check-out, das IBE-Modell oder die ELMO-Karte, die sich ebenfalls in digitalen Meetings wirksam einsetzen lässt. Ebenso kann der Einsatz gemeinsam genutzter Kanban-Boards die Strukturierung und Transparenz virtueller Zusammenarbeit unterstützen und ermöglicht Teams eine klare Priorisierung und Transparenz im Arbeitsprozess.

Den gesamte Vortrag als Aufzeichnung sowie die Unterlagen der Präsentation findet ihr uni-intern hier:

 

Aufzeichnung L&L "Virtuelle Zusammenarbeit" vom 20.11.2025

18:56

Präsentation als PDF

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